Werkstatt-Tage in der JVA Bochum-Langendreer: Handwerk eröffnet Perspektiven
Etwa 130 männliche Erwachsene sind derzeit im offenen Vollzug der JVA Bochum-Langendreer inhaftiert. Als Berufsförderungsstätte liegt die besondere Aufgabe der JVA darin, diese Menschen unter anderem mit beruflichen Qualifizierungsangeboten auf das Leben in sozialer Verantwortung nach der Haft vorzubereiten. Zu diesem Zweck beschäftigt die JVA Handwerks- und Industriemeisterinnen und -meister und betreibt hochwertig ausgestattete Werkstätten in zwölf unterschiedlichen Berufen – vom Elektroniker über den Maurer, Maler und Lackierer, Lageristen und Landschaftsgärtner bis hin zum Schweißer und zum Industriemechaniker. Davon konnten sich zuletzt erneut zahlreich Betriebe aus dem Kammerbezirk während der vierten Werkstatt-Tage in der JVA überzeugen.



„Eine der größten Herausforderungen für uns als Berufsförderungsstätte besteht darin, unsere Inhaftierten mit Betrieben zusammenzubringen, für die es kein Hindernis darstellt, eine gut qualifizierte Fachkraft mit einem nicht ganz glatten Lebenslauf nach der Haft zu beschäftigen“, erzählt Anke Benna, die Leiterin der JVA. „Wir freuen uns daher sehr über die enge Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Dortmund, der Agentur für Arbeit und dem Kolping-Werk, die uns dabei unterstützen, Betriebe zu finden, diese zu beraten und im Fall der Realisierung einer Beschäftigung auch ein Stück weit zu begleiten.“
Damit rückt die Zusammenarbeit zwischen Justiz und Handwerk als zentraler Erfolgsfaktor in den Fokus. Alexander Hengst, Vizepräsident des Westdeutschen Handwerkskammertages, ergänzt: „Aus der engen Kooperation zwischen Handwerk und Justiz ergibt sich eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: ehemalige Inhaftierte erhalten Zugang zu möglichen Arbeitgebern, Betriebe lernen schon frühzeitig mögliche zukünftige Mitarbeiter kennen und die Gesellschaft profitiert von einem gelungenen Ansatz zur Resozialisierung. Besser geht es doch kaum!“
Neben den arbeitsmarktbezogenen Effekten spielt dabei auch die gesellschaftliche Verantwortung eine entscheidende Rolle. Felix Kendziora, Vizepräsident der Handwerkskammer Aachen, stellt den sozialen Aspekt der Zusammenarbeit in den Vordergrund: „Es geht uns bei Handwerk im Hafthaus nicht darum, möglichst viele Gefangene in möglichst kurzer Zeit in möglichst viele Betriebe zu vermitteln. Vielmehr können wir durch die enge Verzahnung aller Beteiligten – JVA, Kammer und Arbeitsagentur - einen Beitrag dazu leisten, die Voraussetzungen für eine langfristige Wiedereingliederung und für alle Seiten gewinnbringende Beschäftigung zu schaffen.“
Strukturell getragen wird dieser Ansatz durch eine enge kammerübergreifende Zusammenarbeit in Nordrhein-Westfalen. Dabei spielt das Projekt „Handwerk im Hafthaus“ eine zentrale Rolle, wie Marc Giering, Vizepräsident der Handwerkskammer Dortmund erläutert: „Die Gefangenen in der JVA Bochum-Langendreer kommen ja nicht alle aus Bochum, sondern dem Grunde nach aus ganz Nordrhein-Westfalen. Daher ist es wichtig, dass die NRW-Handwerkskammern das Projekt kammerübergreifend unterstützen und unsere Zugänge zu Betrieben nutzen. So können wir dazu beitragen, dass geeignete Inhaftierte schon frühzeitig Kontakt zu möglichen Arbeitgebern aufnehmen.“
Auch politisch findet die Kooperation breite Unterstützung. NRW-Justizminister Dr. Benjamin Limbach überzeugte sich vor Ort in der JVA von der erfolgreichen Kooperation zwischen Handwerk und Justiz. „Der Justizvollzug hat den Auftrag, Gefangene zu befähigen, zukünftig ein straffreies Leben in sozialer Verantwortung zu führen. Dies gelingt in einem erhöhten Maße, wenn durch eine Berufsausbildung oder durch einen berufserhaltenden Einsatz im Justizvollzug die Voraussetzungen geschaffen werden, nach der Haftentlassung einer Erwerbstätigkeit zur Sicherung der Lebensgrundlage nachzugehen oder eine bereits begonnene Ausbildung abzuschließen. Die Werkstatt-Tage bringen Handwerksbetriebe und sich in Ausbildung befindliche Inhaftierte zusammen. Aus diesen Begegnungen konnten bereits in vielen Fällen erfolgreich berufliche Perspektiven vermittelt werden”, betonte der Minister im Gespräch mit Vertretern der Handwerkskammer Dortmund, der Handwerkskammer Aachen und des Westdeutschen Handwerkskammertages, der die Koordinierung des Projekts Handwerk im Hafthaus verantwortet.
Schließlich zeigte sich bei den Werkstatt-Tagen in der JVA Bochum-Langendreer erneut, wie offen Handwerksbetriebe dafür sind, einem Menschen mit Hafterfahrung eine zweite Chance zu geben. Ein Gefangener erzählt: „Voraussichtlich im Sommer werde ich hier in der JVA meine Abschlussprüfung als Maurer ablegen. Nach dem Gespräch mit einem der Betriebe, die heute in der JVA gewesen sind, bin ich guter Dinge, nach meiner Entlassung eine Beschäftigung als Maurer finden zu können.“